Montag, 19 Mai 2003 | 39.21.139

Johannes Rau - 4. Berliner Rede

Ach Du lieber Vater im Himmel bzw. Bruder Johannes, was war denn das nun wieder, was sollte das sein ? ein weiterer Beitrag zur völligen Verunsicherung, damit 'die Menschen' nun endgültig jede Orientierung verlieren ?

Mein Gott, immer wieder diese Reden nach der Art, wie sich das kleine Fritzchen die große, die multilaterale, die internationale Politik vorstellt

Gemeinsam handeln : seit Urzeiten kennt man das, dieses Prinzip: viele Köche verderben den Brei;
das kann also auch heutzutage nicht funktionieren und wird auch in Zukunft nicht funktionieren;

Deutschland's Verantwortung, auch noch 'in der Welt' - wo doch unsere politische Führung nicht mal in der Lage ist, die Probleme in diesem unserem eigenen Land, im Prinzip nicht mal in der kleinsten Kommune zu lösen;

Was können wir für den Frieden tun ? wir könnten endlich mal ernsthafte, professionelle, verfassungsgemäße, demokratische Politik für Frieden machen; sowas findet doch bisher gar nicht statt;

wir haben eine geradezu höchstleistungsfähige Rüstungs-Industrie, und wir haben sogar ein halbwegs leistungsfähiges, aus unerklärlichen Gründen so genanntes Verteidigungs-Ministerium, obwohl doch alles Mögliche unternommen werden soll, damit nicht nur der Kriegs-, sondern auch der Verteidigungsfall möglichst gar nicht mehr eintritt, sondern eben nur noch eitel Frieden herrscht, und wir haben jede Menge hochmotivierte und engagierte Bürger und Mitbürger, die sich in diesem Sinne einsetzen und mitarbeiten wollen,

aber wir haben keinen einzigen verantwortlichen Politiker, der seine potentiellen Kriegs- bzw. Verteidigungsaktivitäten im politischen Sinne als Friedensaktivität versteht, entsprechend handelt bzw. Richtlinien bestimmt und dafür auch die Verantwortung trägt;

das Recht mußte der Stärke 'weichen' (?) - auch diese Behauptung wird nicht wahrer, je öfter sie wiederholt wird, und sei es aus dem Munde des Bundespräsidenten;

'die Amerikaner' haben nichts anderes gesagt, als: wir lösen das Problem, auf unsere, zugegeben etwas effektive Art und Weise, aber wir übernehmen damit auch die Verantwortung für Euch;

niemand in Europa oder sonstwo in der Welt war gehindert, zu den Amerikanern zu sagen: laßt mal, 'wir' lösen das Problem auch mit unserer etwas effizienteren Art und Weise, und wir übernehmen damit auch die Verantwortung für Euch;

das Völkerrecht sei verletzt : es kann doch vernünftigerweise und objektiv keinen Zweifel daran geben, daß das Völkerrecht, in diesem Falle also das Recht bzw. die Rechte des irakischen Volkes, insbesondere das Recht auf Demokratie, auf Freiheit, auf Selbstbestimmung ..., bzw. also die Voraussetzungen dafür, durch das Eingreifen der Amerikaner überhaupt erstmal wieder hergestellt, wieso denn dann verletzt oder durch etwas anderes ersetzt worden sind ? was ist denn das für eine Logik ??

'Die Menschen' (?) suchen nach Antworten und Orientierung : auch das stimmt eben so nicht; 'die Menschen' suchen überhaupt nix, sondern sie erwarten in einer Demokratie von ihrer politischen Führung, also von denjenigen, die extra da-für gewählt, ernannt, vereidigt und bezahlt werden, nichts anderes, nicht weniger und nicht mehr als daß entsprechend der erkennbaren politischen Willensbildung ihre elementaren Interessen wahrgenommen und vielleicht auch noch ein oder andere mehr oder weniger bescheidene Wünsche erfüllt werden.


Unser einziges Problem ist, daß ... immer dann, wenn bestimmte Leute in die Positionen kommen, wo sie politisch handeln und Verantwortung tragen sollen,

dann fangen sie an zu reden und sich vor dem Handeln und insbesondere vor der Verantwortung zu drücken,

und um das wiederum zu vertuschen, reden sie immer noch mehr und ziehen auch immer mehr Rede-Rechte bzw. Gelegenheiten zum Reden an sich, und wo keine oder nicht genügend sind, werden einfach neue geschaffen - statt sich von anderen den Spiegel vorhalten zu lassen ...,

und fordern eine immer breitere Debatte, verstärkten Dialog, bei selbstverständlich moderater Wortwahl, Tonlage, Anrede und Ansprache etc.;

Streitkultur, Konsens und Stärke der Partner etc. sind nun aber mal nur 'eine' Sache bzw. 'eine' Seite der Medaille;

Politik braucht vor allem Führung, und daß, wer die Führung übernimmt, auch die Verantwortung dafür trägt, daß man zusammen dahinkommt, wo man hin will, sei es international, multilateral, national oder kommunal oder selbst in einer Partnerschaft;

die USA sind derzeit überhaupt die Einzigen, die diese Führung übernehmen wollen und garantieren können, es gibt dazu überhaupt keine erkennbare, ernsthafte Alternative.
Europa als Partner, oder gar die Vereinten Nationen (?) - da lachen sich die Amerikaner eher tot.
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